Gehölzrückschnitt zugunsten der Wiesenvögel bei Treysa
Stadt Schwalmstadt führt Pflegemaßnahmen für seltene Wiesenbrüter und Amphibien bei Treysa durch
Großflächig zusammenhängende und offene Wiesen mit Feuchtstellen – ein selten gewordener Anblick in unserer Kulturlandschaft – und doch grundlegend, wenn es um den Schutz heimischer Wiesenbrüter wie Bekassine und Kiebitz geht.
Dieser Lebensraum vieler Wiesenvögel stellt innerhalb des Vogelschutzgebiets „Schwalmniederung bei Schwalmstadt“ einen wichtigen Schwerpunkt dar - so wie im Hochwasserrückhaltebecken zwischen Treysa und Ziegenhain. Hier führt die Stadt Schwalmstadt seit diesem Winter verschiedene Pflegemaßnahmen zur Verbesserung der Brutflächen für Wiesenvögel durch.
Basierend auf dem bereits in den 1980ern durch die Hessische Gesellschaft für Ornithologie (HGON) angeschobenen „Wiesenbrüterprojekt“ wurden hier ab 2006 u. a. durch die Stadt Flächen angekauft und Flachwasserteiche angelegt. „Das Wiesenvogelprojekt ist ein Konzept, das schon über 20 Jahre alt ist, aber kein bisschen an Aktualität verloren hat. Für den Erhalt bestimmter Vogelarten im Schwalm-Eder-Kreis ist es essentiell, dass die Stadt die Maßnahmen weiterführt“, erklärt Dr. Meike Nitsche vom Dezernat Schutzgebiete, Artenschutz, Biologische Vielfalt und Landschaftspflege des Regierungspräsidiums Kassel, denn die Brutvogelbestände in der Schwalmaue sind auf ein Minimum gesunken. Ein wesentlicher Grund dafür ist der fortschreitende natürliche Gehölzaufwuchs. Als weitere Ursachen gelten zunehmend trockene Bodenverhältnisse durch sinkende Grundwasserstände und eine intensive Nutzung des Gebiets zur Naherholung.
Stadt Schwalmstadt zeigt Einsatz für Wiesenvögel
Zum Jahreswechsel 2026 hat die Stadt Schwalmstadt die Initiative ergriffen und basierend auf dem „Wiesenbrüterprojekt“ erste Maßnahmen zur Wiederherstellung attraktiver Brutflächen für heimische Wiesenvögel im Hochwasserrückhaltebecken bei Treysa durchgeführt. Der Fokus der durch den Bauhof umgesetzten Maßnahmen liegt zunächst auf dem Rückschnitt von Gehölzen und damit dem Freistellen zugewachsener Gräben, Flutmulden und Flachwasserteiche. Darüber hinaus soll durch das Wiederherstellen eines naturnahen Grabenprofils abfließendes Wasser künftig in Richtung vorhandener Flachwasserteiche und Flutmulden geführt und so die trockenen Bodenverhältnisse ausgeglichen werden. Schwalmstadts Bürgermeister Tobias Kreuter befürwortet die Umsetzung der Maßnahmen und betont: „Die Gewässerunterhaltung ist für unseren städtischen Bauhof aufgrund der Vielzahl an Gewässern eine Herausforderung. Mein Dank gilt dem Regierungspräsidium und dem Landkreis, die uns als Stadt unbürokratisch unterstützen. Ich bin stolz auf die gute Arbeit des Bauhofs. Auch wenn es vielleicht nicht direkt so aussieht, aber so tragen wir als Stadt zu einer qualitätsvollen Natur- und Landschaftsentwicklung bei!“. Das Regierungspräsidium und der Landkreis unterstreichen den wichtigen Beitrag der Stadt Schwalmstadt zum Artenschutz und sind dankbar für die gute Zusammenarbeit über die Verwaltungseinheiten hinweg.
Die Maßnahmen sollen im nächsten Winter und in den folgenden Jahren durch den Bauhof in Abschnitten fortgesetzt.

Freigeschnitten und wiederhergestellt –
der ehemals zugewachsene und verlandete Grabenabschnitt stellt nach den Pflegearbeiten wieder einen wichtigen Teil des Lebensraumes unserer Wiesenvögel dar
© Uwe Knierim
Gehölzrückschnitt und Grabenpflege – am besten in Abschnitten!
Die in der Schwalmniederung geschützten Wiesenvögel, wie der Kiebitz, sind auf kleinräumige Strukturen angewiesen. Dazu gehören Nass-/Schlammstellen, Flutmulden sowie offene Wiesen mit feuchtem Rohboden. Diese Lebensräume bieten ausreichend Nahrung und vor allem eine freie Rundumsicht. Hohe Hecken und Bäume meiden die am Boden brütenden Vögel hingegen, erläutert Franziska Mehlhorn, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbands Schwalm-Eder e.V. und lobt das Engagement der Stadt. Bei der Gewässer- und Grabenunterhaltung, sowie größeren Gehölzrückschnitten sei es dennoch wichtig, in Abschnitten vorzugehen und sich mit den zuständigen Behörden abzustimmen, ergänzt die Biologin. Neben den im Vogelschutzgebiet „Schwalmniederung bei Schwalmstadt“ geschützten Wiesenvögeln profitieren unterschiedlichste Arten von den Maßnahmen der Stadt, zum Beispiel auch der streng geschützte Laubfrosch.
Weitere Informationen zum Vogelschutzgebiet und dessen Zielarten finden Sie auf unserer Website unter:
www.lpv-schwalm-eder.de und dem Natureg-Viewer des Landes Hessen